Die jährlich im September von der Zeitschrift Juve berichteten Zahlen der größten deutschen Sozietäten, die auf freiwilligen Meldungen beruhen, zeigen eine langfristige Tendenz der Marktsättigung und des Verdrängungswettbewerbs. Beruhend auf der Benchmarkstudie, die die Kanzleiberatung Law Firm Change Consultants seit 2011 erstellt und die mit Hilfe der jetzt vorliegenden Zahlen fortgeschrieben wird, sind folgende Tendenzen relevant:

  1. Der Gesamtumsatz aller erfassten Kanzleien ist zwar seit 2009 um
    4,6 % p.a. angestiegen (in der Periode 2004 - 2008 waren es noch 10,4 % p.a.), das durchschnittliche Wachstum der relevanten Kennziffer Umsätze pro Berufsträger der Kanzleien hat sich hingegen seit 2009 verflacht: es sind nur noch 1,4 %  gegenüber der Vorperiode 2004 - 2008 iHv. 2,9 %. Dieses bedeutet, dass de facto Stagnation im deutschen Top Segment der Wirtschaftskanzleien besteht. Entsprechender Druck auf Kosten und Gehälter wird verzeichnet.
  2. Die Finanzkrise hat in 2008/09/10 zu Einbrüchen geführt, ist aber seit 2011 weitgehend verarbeitet. Kanzleien haben den Umsatzeinbruch teilweise genutzt, um ihre Zahlen realistischer darzustellen.
  3. Das Bild ist sehr uneinheitlich: Während einige Kanzleien ein Wachstum mit etwa  8 % (SZA Schilling Zutt & Anschütz, Ashurst, Jones Day) bei dem Umsatz pro Berufsträger melden, sind andere Kanzleien lt. der Meldungen bei dieser Kennziffer wenig oder gar nicht gewachsen.
  4. Deutsche Sozietäten haben in der Regel in der Periode 2009 - 2013 besser abgeschnitten als in der Periode 2004 - 2008. Sie (insb. sog. Generalisten und Fokussierte) haben gegenüber internationalen Kanzleien unterhalb der Global Player bei der zentralen Kennziffer Umsatz pro Berufsträger aufgeholt (von 368.000 EURO auf 415.000 EURO). Sie haben ihre internen Systeme verbessert und die Potenziale in den Mandaten erkannt.  Die Unterschiede zwischen internationalen Kanzleien und deutschen Generalisten resp. Fokussierten haben sich im Umsatz pro Berufsträger verringert. Damit sind deutsche Kanzleien wieder stärker im Wettbewerb, gerade bei dem Nachwuchs.
  5. Die international führenden Kanzleien (Global Player) scheinen am oberen Ende der Wachstumsmöglichkeiten angekommen zu sein. Sie verzeichnen nur noch ein geringes durchschnittliches jährliches Wachstum bei den Umsätzen pro Anwalt seit 2009 (0,8%)  (siehe Schaubild in den Hintergrundinformationen).
  6. Die Rechtsarme der Wirtschaftsprüfungskanzleien (sog. Integrierte) melden ein rückläufiges Wachstum, wie die Daten zeigen (-0,4 % seit 2004) und bilden damit das Schlusslicht bei diesem Vergleich(318.000 EURO UBT). Das Wachstum scheint aufgrund des Geschäftsmodells dieser Kanzleien beschränkt zu sein.   
  7. Auch die Wachstumsmöglichkeiten vieler internationaler Kanzleien scheinen ausgereizt: sie sind 2012 wieder auf das Niveau von 2008 mit durchschnittlich 439.000 EURO zurückgekehrt.
  8. Der Umsatz pro Berufsträger aller Kanzleitypen ist seit 2004 insgesamt um 13,3 % gestiegen (von 436.000 EURO auf 494.000 EURO), seit 2009 dagegen nur um 6 %.
  9. Deutschland ist ein guter Gradmesser für eine erfolgreiche Internationalisierungsstrategie einer Kanzlei, da sie als wichtige Volkswirtschaft nicht ignoriert werden kann, zugleich aber sehr wettbewerbsintensiv geworden ist. Der Wettbewerb forderte erste Opfer: Einige internationale Kanzleien mussten schon wieder die Segel streichen oder eine substantielle Reduktion der Mannschaft hinnehmen. Hierzu gehört etwa die US Kanzlei Sidley Austin. Bei den internationalen Kanzleien Linklaters und Shearman & Sterling kam es zu teilweisen Demergern. Die ursprünglichen deutschen Kanzleien SZA Schilling Zutt Anschütz und Oppenhoff sind wieder als Einheiten auf dem Markt und behaupten sich.
  10. Eine deutliche Sprache für die Wachstumsaussichten sprechen auch die Personalzahlen. Während etwa im Schweizer Anwaltsmarkt die Top 15 Kanzleien um 26 % an Berufsträgern seit 2008 gewachsen sind, stagniert der deutsche Markt hinsichtlich der Kapazität, die dieser noch aufzunehmen bereit ist und wuchs nur um 13 % in den letzten 4 Jahren, also magere 3 % pro Jahr (siehe Schaubild).